Tiefe Hirnstimulation zur Behandlung des chronischen, therapieresistenten, neuropathischen Schmerzes

Seit 2007 wird an der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen die tiefe Hirnstimulation  (THS) nicht nur bei Patienten mit Bewegungsstörungen, sondern auch zur Behandlung von therapieresistenten Schmerzsyndromen durchgeführt.


Wenn der chronische neuropathische Schmerz eines Patienten auf cerebraler Ebene eine Eigendynamik entwickelt hat, erlangt man mit standardisierten Methoden der Schmerztherapie (einschliesslich der Spinalen Cord Stimulation/SCS) keine ausreichende Schmerzreduktion.


Die Indikation für diesen funktionell stereotaktischen Eingriff wird durch ein interdisziplinäres Gremium für Schmerztherapie gestellt. Dieses ist das Zentrum für Schmerzmedizin in Nottwil bzw. der interdisziplinäre Schmerzboard am Kantonsspital in St. Gallen.


Die Klinik für Neurochirurgie St. Gallen arbeitet eng mit dem Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil zusammen. Spezielle neurochirurgische Fragestellungen zu Patienten werden dort mit Ärzten und Therapeuten aus den Fachbereichen Anästhesiologie, Neurologie, Orthopädie, Neuropsychologie, Psychiatrie, Psychologie, Rheumatologie, Physiotherapie und Ergotherapie besprochen.


Die THS stimmt in ihrem Ablauf in grundsätzlichen Schritten mit der THS zur Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen überein. Die Indikation zur THS bei Patienten mit chronischen, therapieresistenten Schmerzen ist wesentlich seltener als bei Patienten mit essentiellen Tremor oder einem Parkinsonsyndrom.
Die THS besteht aus zwei Phasen. In einer ersten Operation werden dem wachen Patienten in der Regel zwei Elektroden millimetergenau in bestimmte Hirnareale gelegt, die in der Schmerzverarbeitung eine zentrale Rolle spielen. Dazu ist die Anlage je eines 4mm kleinen Bohrloches durch den Schädelknochen in Lokalanästhesie notwendig. Zu den Zielgebieten im Hirn gehören das periventrikuläre Grau und der sensorische Thalamus.
Das Körperareal des chronischen, typischerweise als brennend, schneidend oder stechend empfundenen Schmerzes wird unter der THS überdeckt durch ein als wesentlich angenehmer empfundenes Kribbeln bzw. Wärmegefühl.


Die an die Hirnelektroden angeschlossenen Verlängerungselektroden werden zunächst für die anschliessende Testphase durch die Kopfhaut hinter dem Ohr nach aussen geleitet.


Es erfolgt über einen Zeitraum von 3 bis 7 Tagen die Austestung der geeignetsten Stimulationsparameter für eine signifikante Kontrolle und Reduktion des neuropathischen Schmerzsyndroms des Patienten.
In einer zweiten in Vollnarkose ausgeführten Operation  werden die Hirnelektroden über subkutan liegende Verlängerungselektroden mit dem Impulsgenerator verbunden.


Die regelmässigen Nachkontrollen der Patienten in unserer Ambulanz dienen der Verlaufskontrolle des therapeutischen Effekt der THS, einer sicheren Handhabung des externen Programmiergerätes durch den Patienten selbst und der korrekten technischen Funktion des implantierten Neuromodulationssystems.